An dieser Stelle findet ihr ein Info-Paper zum Thema Kinder mit Autismus-Spektrum in der Schule – Es kann z.B. im therapeutischen Kontext eingesetzt werden oder in der Beratung in der Schule.
Leseprobe aus meinem Ratgeber EIN KOPF VOLL GOLD
Das Autismus-Spektrum ist verbunden mit einer Art der Wahrnehmung und der Wahrnehmungsverarbeitung, die sich mitunter stark von neurotypischen Strukturen unterscheiden kann und darum immer wieder auch auf weniger Verständnis stößt. Heutzutage wird davon ausgegangen, dass die Gehirnentwicklung von autistischen Kindern schon vorgeburtlich anders verläuft. Bildgebende Verfahren konnten schon früh Veränderungen in der Gehirnstruktur und deren Funktionen nachweisen.
Allgemeine Merkmale und häufige Verhaltensweisen (bereits im Kleinkindalter sichtbar):
- erschwerte oder verzögerte Sauberkeitsentwicklung (z.B. windelfrei werden)
- Vermeidungsverhalten bei Körperhygienemaßnahmen (Zähne putzen, duschen)
- Ein- und Durchschlafprobleme
- intensives Einfordern enger Begleitung bereits im Säuglingsalter (Schlafschwierigkeiten, angespanntes Trinkverhalten, vermehrtes Schreien)
- individuelles Nähebedürfnis (z.B. Ablehnung von zu viel Körperkontakt bei gleichzeitiger Einforderung konstanter Anwesenheit eines Elternteils)
- starkes Einfordern von verlässlichen Abläufen und wenig Toleranz für Abweichungen
- stereotype Verhaltensweisen wie z.B. Stimming zur Selbstregulation (z.B. Fingerschnippsen, Haare drehen, sich selbst wippen, summen, Laute, Wiederholung von Wörtern oder ganzer Sätze, Handflattern etc.)
- Tics (Augenlider flattern, räuspern)
- weniger Mienenspiel (vor allem auch auf Fotos)
- weniger Interesse an Rollen- und Phantasiespielen (baut gerne Welten auf, spielt dann aber nicht damit)
- Vermeidung von Blickkontakt
- verschobenes Wärme-/Kälteempfinden
- ausgeprägte Spezialinteressen
- weniger Kontakt zu Gleichaltrigen, wenden sich oft an deutlich jüngere oder ältere Menschen
- schwächer ausgeprägte „Theory of Mind“ (Fähigkeit, Gefühle, Verhaltensweisen, Erwartungen etc des Gegenübers zu erkennen und einzuschätzen)
- geringere kognitive Empathie (Lesen von Mimik, Gestik, Tonfall) bei völlig entwicklungsgerechter Fähigkeit, empathisch zu reagieren
- eventuell besonders starke Empathie → Hyper-Empathie
- starke Sensibilität gegenüber sensorischen Reizen, z.B. gegenüber Attributen von Kleidungsstücken (Nähte, Taschen etc.)
- eingeschränktes oder einseitiges Essverhalten
- wenig Ruhe für gemeinsame Mahlzeiten
- starke Reaktionen bei Terminen, die mit Berührung zu haben können (bei Ärzt*innen etc.)
- heftige Gefühlsausbrüche → „Meltdowns“
- Überforderung auch mit leichten Erkältungskrankheiten aufgrund des damit verbundenen anderen Körpergefühls
- erhöhtes Verletzungsrisiko durch Schwierigkeiten bei der Einschätzung von Gefahrensituationen
- verschobenes Schmerzempfinden (Berührungen können wie Schmerz empfunden werden, starke Verletzungen werden hingegen kaum registriert)
- längerer Eingewöhnungsprozess in neuen Umgebungen
Weitere Empfehlungen und Informationen
Eine Podcastfolge zum Thema Gestaltbasierte Sprachentwicklung bei autistischen Kinder
